Saisonstart 2026/27

von DJK-Rimpar

Liebe DJK Rimpar, 

Wer bist du? Wer willst du sein? Warum bist du? Und wie kannst du die beste Version deiner selbst sein? 


(1) Warum: „Dieser Vereinszweck soll verwirklicht werden durch das Abhalten eines geordneten Turn- und Spielbetriebs.“ Die Satzung der DJK Rimpar gibt dazu eine eher kühle, aber präzise Antwort und wir können den Zweck vermutlich als erledigt betrachten. Das heißt, alles, was jetzt kommt obliegt unserer freien Gestaltung. Mit uns an dieser Stelle meine ich nicht „uns“ in der Abteilungsleitung, sondern ich meine mit „uns“, uns alle. Die Mitglieder der Handballabteilung der DJK Rimpar. 

(2) Bestandsaufnahme: „Wer sind wir“ und „Wer waren wir schon alles“. Wir waren die Hölle Nord. Wir waren Rimparer Wölfe. Wir waren Drinnbleiber. 20 Jahre „Wölfe“ und Leistungshandball in Rimpar (2006/07 stieg unsere erste Mannschaft aus der Landesliga in die Bayernliga auf und schreib seitdem ihre ganz eigene Geschichte). Die Progression forderte ihren Tribut und dem Mantra „nur Rimparer Jungs“ konnten wir schnell formal nicht mehr gerecht werden. Aber, und zumindest hat die Zeit hier auch einen gewissen verklärenden Faktor, haben wir uns sehr sehr lange unsere „Rimpar-DNA“ bewahrt. Geld war immer eher knapp, aber viele Jahre kannte der Handball aus Rimpar nur eine Richtung: bergauf. Spätestens seit dem Abstieg der Wölfe aus dem Deutschen Unterhaus gilt das nicht mehr. Wir sind keine Drinnbleiber mehr. Wir sind keine Goldene Generation mehr. 

(3) Wer wollen wir sein? Die Frage ist das natürliche Resultat des Umbruchs der letzten Jahre. Abstieg aus der 2. Bundesliga und Männer-Regionalliga, keine Qualifikation für die Jugendbundesliga, finanziell herausfordernde Zeiten für die Wölfe Würzburg und die DJK Rimpar. Arm – und für den Moment nicht mehr sexy? Wir müssen das “Abhalten eines geordneten Turn- und Spielbetriebs” sicherstellen, um unserer Vereins-Satzung gerecht zu werden. Ansonsten haben wir zwischen “Aufstieg in die 1. Bundesliga” und “Bezirksklasse” freie Gestaltungsmöglichkeiten als Handballabteilung. Über dieser Frage und dem Spannungsfeld zwischen Dorfverein und Leistungssport zerbrechen wir (und hier rede ich wieder von uns allen als Mitglieder) jetzt seit gut zwei Jahren den Kopf. In einigen Teilen glaube ich, dass wir eine Antwort geben können: Fast alle unsere aktiven Mitglieder (das bedeutet formal Sport-treibend) haben ihre Stimme abgegeben. Es wird an allen Ecken und Enden geackert und gearbeitet und geschwitzt. Egal ob in der C-Jugend, unseren Minis oder den Männerteams. Score matters – wir wollen alle erfolgreich sein. Da wir ein Sportverein sind, der vor allem seinen Sportlern dienen sollte, um eine Daseinsberechtigung zu haben, ist damit die Frage “wer wollen wir sein” zumindest partiell beantwortet. Das stetige Streben nach Erfolg kommt jedoch durchaus auch mit seinen Schattenseiten und nicht jeder fühlt sich dabei abgeholt. 

In der Vorbereitung auf das letzte Saisonspiel der U23, dem Spiel um den Wiederaufstieg in die Regionalliga Männer, bin ich über einen Abschnitt aus dem Buch “The Way of Excellence” von Brad Stuhlberg gestoßen.

“Excellent coaching: There is the number on the scoreboard. And then there is everything else. Two things can be true at once: Outcomes matter. They absolutely do. But a few years down the road nobody sits around and reflects on the score. What people remember is the hard work, lessons learned, experiences, and most of all, the relationships forged along the way.” 

“Hervorragendes Coaching: Es gibt die Zahl auf der Anzeigetafel. Und dann gibt es alles andere. Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein: Ergebnisse zählen. Ohne Frage. Doch ein paar Jahre später sitzt niemand mehr zusammen und denkt über den Spielstand nach. Woran sich die Menschen erinnern, sind die harte Arbeit, die gewonnenen Erkenntnisse, die gemeinsamen Erfahrungen – und vor allem die Beziehungen, die auf diesem Weg entstanden sind.”

Das Spannungsfeld aus Leistungssport und Dorfstruktur und vor allem Vereinsgemeinschaft war fast 20 Jahre lang die Antriebskraft für den Erfolg des Rimparer Handballs. Wir können die DJK Rimpar weder wie ein Unternehmen führen, das gute Handballspieler produziert, noch wird der Verein den Interessen seiner Sportler gerecht, wenn wir keinen leistungsorientierten Sport mehr anbieten. Wir werden die Herausforderungen nicht meistern, wenn wir sie nicht gemeinsam angehen. Gemeinsam angehen impliziert an dieser Stelle zwei Dinge: Auch wenn es oft diametrale Interessen gibt, muss in einigen Fällen ein Konsens gefunden werden, in wiederum anderen Fällen erkennen, dass der Mittelweg nicht zwangsläufig immer gangbar ist. 

(4) Wie können wir die beste Version unserer selbst sein? Was ist überhaupt die beste Version der DJK Rimpar? Ein bisschen was von meinem “Idealbild” der DJK habe ich im April beim Aufstiegsspiel der U23 gesehen: Eine volle, stimmungsgeladene Halle, viele Jugendspieler von den Minis bis zur A-Jugend in der Halle, Fans, die emotional dabei sind – auch wenn der Start in das Spiel nicht trivial war, ein Verein, der sich und seine Spieler nach dem Spiel feiert, auf dem Feld, im Foyer und in der Bombe. An dem Tag haben alle mit angepackt, Eltern, Festausschuss, Jugendspieler, Herren 3, alte wie junge Vereinsmitglieder. Nach dem Spiel mussten wir die Halle putzen (wie in alten Zeiten), weil am nächsten Tag ein Rhönrad-Wettkampf war. Mitgeholfen haben alle: Eltern, Physios, Trainer, Abteilungsleitung, Helfer. Irgendwann kamen ein paar der Jungs aus der Umkleide (das Aufsteiger-Grinsen noch im Gesicht): “Wo sind die Spachteln, wir helfen mit, dann können wir oben alle schneller gemeinsam feiern.” Das gemeinsam sollten wir uns mitnehmen, wir werden es uns auch mitnehmen müssen, anders werden wir es nicht schaffen, die beste Version unserer selbst zu sein. An dem Abend waren wir nicht so weit weg davon: Ein mitreißendes Handballspiel, sportlicher Erfolg, eine junge Mannschaft mit fast nur “Eigengewächsen”, eine volle Halle, strahlende Gesichter auf Feld und Tribüne, eine Party im Foyer und der Bombe. Das war schon mal die beste Version unserer selbst – vielleicht kann sie es wieder werden. 

Zur neuen Saison verabschieden wir Yannic Frenzel aus der Abteilungsleitung, der auf Grund seiner beruflichen Verpflichtungen nicht weiter Teil des Teams sein kann. Vielen Dank für deine Arbeit in einer Phase des strukturellen und personellen Umbruchs. Wir begrüßen an seiner Stelle Sebastian Witt, der uns in der Abteilungsleitung vor allem im Resort Sponsoring und Marketing unterstützen wird. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit! 

 

für die Abteilungsleitung 

Bastian Krenz 

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