Sichtungstag
20. November 2018
Interview
Jens Bechtloff
22. November 2018

Im Visier


TuS N.-Lübbecke


Stadt
Nettelstedt ist ein Stadtteil von Lübbecke und befindet sich in Nordrhein-Westfalen. Lübbecke selbst gehört dem Kreis Minden-Lübbecke an und zählt etwa 26.000 Einwohner. Im Jahr 775 fand die Stadt erstmalig als „Hlidbeki“ schriftliche Erwähnung. Ein klassisches Wahrzeichen in dem Sinne besitzt die Gemeinde nicht. Überregionale Bekanntheit hat allerdings das alljährlich im August stattfindende Bierbrunnenfest erlangt. Seit 1954 lässt die Brauerei Barre für sieben Stunden Bier aus dem Bierbrunnen am Burgamannshof laufen. Dieses Ereignis findet zu Ehren des verstorbenen Brauereisbesitzers Ernst Ludwig Barre immer am ersten Sonntag nach dem 12. August, dem Geburtstag des ehemaligen Brauereibesitzers statt. In einer Urkunde ist verankert, dass immer an jenem Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr für jedermann kostenloses Bier aus dem Brunnen ausgeschenkt werden soll.

Verein
Tradition pur herrscht bei der TuS aus Nettelstedt beziehungsweise Lübbecke. Bereits in den 1940er Jahren war der „Dorfklub“, damals noch als TuS Nettelstedt, in der höchsten deutschen Spielklasse im Großfeldhandball aktiv. 1975 unterlag man im letzten Finale um die Deutsche Meisterschaft dieser Sportart. Auch in der Halle begann ab den 1970er Jahren die Erfolgsgeschichte des Vereins. Grundstein des Erfolgs war die Verpflichtung von Herbert Lübking, damaliger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Ihn konnte man vom Lokalrivalen Grün-Weiß Dankersen, der heutigen GWD Minden, aus der Bundesliga in die Kreisliga locken. Seitdem besteht eine große Rivalität zwischen den beiden Klubs, welche man in Nettelstedt angesichts des Erfolgs gerne in Kauf genommen hatte. Es folgten sechs Aufstiege in Folge, bis in die 1. Bundesliga (1976). Ein Jahr später wurde man schließlich zum Gründungsmitglied der eingleisigen Bundesliga. 1981 wurde zum erfolgreichsten Jahr in der Vereinsgeschichte, als man den DHB-Pokal sowie den Europapokal der Pokalsieger erringen konnte. 1983 stieg der Verein erstmals wieder in die Zweitklassigkeit ab und konnte erst elf Jahre später in das Oberhaus zurückkehren. Spätestens seit der Jahrtausendwende kann der Verein als Fahrstuhlmannschaft deklariert werden, der immer wieder, auch von finanziellen Problemen geplagt, zwischen Liga 1 und 2 pendelte. Seit 2002 tritt der Klub unter seinem heutigen Namen TuS N.-Lübbecke auf Betreiben seines Hauptsponsors an. In der Saison 2003/2004 konnte der Verein mit 68:0 Punkten einen Rekord in der 2. Bundesliga aufstellen.

Mannschaft
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Team von Aaron Ziercke gefangen. Als Absteiger aus der DKB Handball-Bundesliga gehört die Mannschaft aus Lübbecke ohnehin zum Kreis der Topfavoriten in der Liga, da sieht sich unser Gast wahrscheinlich auch selbst. Das liegt vor allem am nominell starken Kader, der größtenteils nach dem Abstieg aus der stärksten Liga der Welt zusammengeblieben ist. Rückhalt bekommt die Mannschaft vom starken Schlussmann Joel Bierlehm, welcher sich nach dieser Spielzeit dem Bundesligisten aus Leipzig anschließen wird. Von eben jenem Team konnte in der Sommerpause Peter Strosack verpflichtet werden, einem der „gefährlichsten“ Männer von der TuS. Fehlen wird allerdings Marian Orlowski. Der Neuzugang vom TVB Stuttgart laboriert an einer Schulterverletzung und wird seinem Trainer in Würzburg nicht zur Verfügung stehen. Der Ausfall des Halblinken wird unserem Gast an diesem Sonntag sicherlich nicht schmecken, allerdings bleibt die Mannschaft auch ohne Orlowski ein Schwergewicht, gegen welches die Wölfe alles abrufen müssen.

von Christian Graber - 22.11.2018