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Kontroverse




"Handball ist strunzlangweilig"

Der ewige Vergleich zwischen den Sportarten: Fußball ist zu langweilig. Beim Handball passiert immer dasselbe. Und beim American Football hauen sie sich doch sowieso nur die Köpfe ein. Ganz ehrlich, wann wird den Leuten endlich klar, dass jeder Sport seinen ganz eigenen Reiz hat? Wieso können sich die Anhänger verschiedener Sportarten noch immer nicht über den Erfolg der jeweils anderen Branche erfreuen? Oder noch konkreter: Was soll dieser Artikel, liebe Kollegen von 11FREUNDE?

Unter dem Schutzschirm "Satire" eine geballte Ladung Stumpfsinn zu verbreiten ist eine Sache. Aber in den drei Wochen während einer Heim-WM voller Freude und Euphorie, die womöglich einzigen Tage innerhalb einer ganzen Dekade, in welcher ausnahmsweise nicht „König Fußball“ im Mittelpunkt des medialen Interesses steht, sich auf eine andere Sportart derart niveau- und gehaltlos einzuschießen, gehört dann eher in die Kategorie armselig und verzweifelte Suche nach Aufmerksamkeit.

Keine Bange, es geht vorbei!
Jetzt ist Handball-Weltmeisterschaft. Ein absolutes Großereignis. Schon vor dem Halbfinale wurde der Zuschauerrekord für ein solches Turnier gebrochen, während der Spiele in Köln machten 19.000 Zuschauer die Halle zu einem Tollhaus. Ein Umstand, der gewissermaßen in der Handballwelt einen Außnahmestatus innehat. Das wurde schon richtig erkannt, sollen sich aber alle Freunde des Sports dafür entschuldigen, dass jetzt eine Euphoriewelle ausgebrochen ist? Darf man sich nach Ansicht der 11FREUNDE-Redaktion nicht darüber freuen? Dürfen sich bisher desinteressierte Leute nicht von der Sportart Handball mitreisen und begeistern lassen?

Kommentare wie „Keine Bange: Es geht vorbei“, in Bezug auf die laufende WM, zeigen bereits die maßlose Ignoranz und das engstirnige Denken mancher Personen in der Branche. Für jede Sportart gibt es für und wider, aber die folgende Aussage mit der Brille eines Fußballers zeigt, dass die Sportart Handball schlichtweg nicht kapiert wird: „Handball ist natürlich nicht komplett strunzlangweilig. Sondern nur 57 Minuten lang.“ Einzige richtige Schlussfolgerung in einem Wirrwarr aus Unfug ist wohl die Aussage, dass es beim Sport mit dem harzigen Leder egal ist, ob es 9:9 oder 15:15 steht. Richtig! Denn Unentschieden ist Unentschieden, dafür gibt es einen Punkt, bei Handball wie auch Fußball. Deshalb ist Handball langweilig und Fußball nicht? Erklärt doch bitte mal diese Rechnung, liebes 11FREUNDE-Team.

Giftpfeile zwischen den Sportarten sind ohnehin unsinnig: Auch vom ständigen Vorwurf, dass alle Fußballer verweichlichte Millionäre sind, soll sich hier distanziert werden. Denn die ganze „Handball ist einfach so viel geiler als Fußball“-Proklamation hat auch seit Tagen sein Limit überschritten. Pauschale Muster sind in der bunten Welt des Sports nicht zeitgemäß, dass muss sich nur noch bis in die Redaktionen so mancher Fachblätter herumsprechen, die scheinbar nicht in der Lage sind, über ihren Tellerrand zu blicken. Noch ein Exempel für engstirniges „Fußball sonst nix-Denken“? Hier: „Was aber natürlich nicht heißen soll, dass der Handball keine Daseinsberechtigung hätte. Schließlich gibt es ja auch viel Gutes über ihn zu sagen. Zum Beispiel: Immerhin ist es nicht Basketball.“

Die Euphorie, die ein solches Turnier auslöst, soll nicht anderen Sportarten schaden, sondern ist einfach nur die Möglichkeit sich von seiner besten Seite zu zeigen und immer mehr Menschen zu begeistern. Dann muss auch Handball nicht „in weiten Teilen der Welt nahezu unbekannt“ bleiben, wie es im Artikel so schön geschildert wurde.

Wölfe freuen sich über die Euphorie, das sympathische DHB-Team und vielleicht auch neue Zuschauer
Über die in Frage gestellte Daseinsberechtigung braucht man sich sowieso keine Gedanken zu machen, denn jeder der auch nur ein einziges Spiel der deutschen Handballnationalmannschaft gesehen hat, dem ist bewusst, was Handball tatsächlich ausmacht. Und das kann nur förderlich für den Sport in ganz Deutschland sein.

Die Deutsche Nationalmannschaft hat ein super Turnier gespielt und das Rampenlicht verdient, in welchem sie sich gerade befindet. Uns ist bewusst, dass der „Redakteur“ des Artikels provozieren wollte und durch unsere Reaktion ein Stück weit sein Ziel erreicht hat. Als Vertreter der Handballwelt wollten wir das aber nicht unkommentiert stehen lassen und antworten mit einem Slogan aus der Kampagne der HBL: „Erst wenn der letzte Transferrekord gebrochen, die letzte Kaufoption gezogen, werdet ihr merken, dass echter Sport unbezahlbar ist.“

Die Wölfe stehen jedenfalls hinter ihrem DHB-Team, freuen sich über den Erfolg der Mannschaft und die Euphorie im Land. Deshalb ist bei uns jeder, den das Handballfieber gepackt hat, egal ob er oder sie erst durch das Turnier die Sportart interessant findet oder auch einfach mal etwas Anderes erleben möchte als Fußball, herzlich willkommen im Wolfsrevier. Das gilt auch für Herrn Hesse von 11FREUNDE, gerne kann er sich vom Gegenteil seiner Thesen überzeugen.

von Christian Graber & Niklas Münch - 25.01.2019