Omar Tucovic beim Deutschlandcup
2. Januar 2019

Auch die Wölfe im WM-Fieber




Heute startet die Heim-WM

Die Heim-WM steht an. Auch das Wolfsrudel hat das WM-Fieber bereits gepackt und die Spieler können den Anwurf jedes einzelnen Spiels nicht erwarten. Im Folgenden werden ein paar Eindrücke und Erwartungen einiger Wölfe-Spieler an das Turnier geschildert.

Was traut ihr der deutschen Nationalmannschaft beim Heim-Turnier zu? Sind Sie bereits reif genug für den ganz großen Wurf?
Patrick Schmidt - Kapitän und Rückraum Mitte: „Natürlich kann man unserer Nationalmannschaft den Weltmeistertitel zutrauen. Gerade durch die WM im eigenen Land kann eine große Euphorie entstehen, die zusätzlich beflügelt und neue Kräfte freisetzen kann. Ob die Mannschaft reif genug ist, steht natürlich in den Sternen. Die Mannschaft um Bundestrainer Prokop hat sich den Berichten zufolge ausgesprochen und das Verhältnis Mannschaft/Trainer ist anscheinend wiederhergestellt. Eine gute Teamchemie ist in solchen Großturnieren immer ausschlaggebend für den Erfolg.“

Michael Schulz - Kreisläufer: „Ich hoffe sehr auf eine gute Heim-WM. Eine Euphoriewelle würde dem deutschen Handball sehr gut tun. (…) Der große Wurf, also der Titel, wäre aber trotzdem sehr überraschend.“

Philipp Meyer - Kreisläufer: „Ich glaube einer Heim-Mannschaft muss man bei einem solchen Event alles zutrauen können. Klar ist es bitter, dass man auf Spieler, wie z.B. Julius Kühn verzichten muss, aber es sind trotzdem genügend Spieler mit reichlicher Bundesliga Erfahrung dabei. Ob es für den ganz großen Wurf reicht, wird man vielleicht von Spiel zu Spiel erkennen können.“

Wo schaut ihr die Spiele der Deutschen? Trifft sich die gesamte Mannschaft um die Spiele gemeinsam zu verfolgen?
Michael Schulz: „Das kann ich noch nicht sagen. Das werden wir spontan entscheiden denke ich. Man muss auch schauen, ob es mit den Trainingszeiten überhaupt vereinbar ist die Spiele zu schauen.“

Philipp Meyer: „Da sich einige Spieler noch zuhause mit Ihrer individuellen Vorbereitung beschäftigen, denke Ich, dass jeder die Spiele anfangs einzeln verfolgen wird. Im Laufe des Turniers werden sich aber sicherlich die ein oder anderen zum gemeinsamen Schauen verabreden.“

Wen seht ihr als die härtesten Konkurrenten für die Nationalmannschaft an und könnte es bereits in der Vorrunde eng werden für das junge deutsche Team?
Patrick Schmidt: „Neben Deutschland trägt auch Dänemark die WM im eigenen Land aus. Sie gehören genauso zum Favoritenkreis wie die Franzosen und Norweger. Die Schweden muss man auch immer auf dem Zettel haben. Man merkt einfach wie eng die Weltspitze beinander ist! In unserer Gruppe sind natürlich die Franzosen das Nonplusultra. Natürlich kann es passieren, dass die Deutschen in der Vorrunde scheitern. Ein guter Start gegen Korea ist daher von großer Bedeutung, um die Euphorie zu entfachen. Ich glaube jedoch, dass die Deutschen die Vorrunde souverän überstehen. In der Hauptrunde ist für die Deutschen dann jedes Spiel ein Endspiel - in den 3 Spielen müssen unsere Jungs am absoluten Toplevel spielen, um ins Halbfinale einzuziehen.“

Michael Schulz: „Ich glaube die Vorrunde sollte man doch mindestens als Zweiter abschließen können. (…) Ich bin sehr gespannt, wie weit Japan schon ist mit dem ehemaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson als Trainer. Normalerweise sollte es aber eher weniger Überraschungen geben.“

Mit Martin Strobel steht sogar ein Spieler aus der Zweiten Bundesliga vom Tabellenführer aus Balingen im deutschen WM-Kader. Wie groß ist euer Traum auch mal bei einem solchem Turnier teilnehmen zu dürfen?
Michael Schulz: „Der Traum ist natürlich da, sonst wäre man im Leistungssport falsch glaube ich. Man muss aber auch realistisch sein und sich selbst einschätzen können. Der Weg bis dorthin ist sehr weit und wird höchstwahrscheinlich auch nur ein Traum bleiben. Die Nominierung von Martin Strobel kam denke ich sehr überraschend, aber er kann mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis ein Spiel sehr gut lenken und wird damit hoffentlich dem deutschen Team weiterhelfen.“

Patrick Schmidt: „Darüber mache ich ehrlich gesagt keine Gedanken mehr. Das Martin Strobel dabei ist, war durchaus überraschend, da Spieler aus der 2. Liga eigentlich nicht berücksichtigt werden. Jedoch zeigt das auch, dass wir in der 1. Liga scheinbar keinen Rückraum Mitte Spieler haben, der das Spiel lesen und steuern kann wie z.B. Martin Strobel das kann. Darüber sollte man schon nachdenken!“

Auch im Wölfe-Kader befinden sich einige ehemalige (Junioren-)Nationalspieler. Wie fühlt es sich an mit dem Adler auf der Brust auflaufen zu dürfen und kann man das mit einem Spiel im normalen Liga-Alltag der Wölfe vergleichen?
Michael Schulz: „Die Spiele für die Jugendnationalmannschaft waren natürlich Highlights an die man immer positiv zurückdenken wird. Das Gefühl, wenn man zusammen auf dem Feld steht und die Nationalhymne läuft, ist unbeschreiblich und ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben durfte.
Ich finde es sehr schwierig solche Länderspiele mit dem Liga-Alltag zu vergleichen. Die Erfahrungen die man bei der Nationalmannschaft gesammelt hat sind auf jeden Fall Gold wert und man kann nur davon profitieren. Ich würde jetzt aber weder das Eine noch das Andere positiv oder negativ hervorheben wollen.
Es ist einfach geil vor vollen Hallen auf hohem Niveau zu spielen, egal ob National oder International.“

Patrick Schmidt: „Vergleichen kann man das nicht. Allein schon die Hymne vor dem Spiel war etwas ganz Besonderes und hat bei mir immer für Gänsehaut gesorgt. Ich erinnere mich gerne an den Satz von Blacky, den er uns vor einem Halbfinal-Spiel gesagt hat: „Der Adler auf eurer Brust trägt euch überall hin““

Wenn ihr euch jetzt festlegen müsstet, wer gewinnt die WM und warum? Und wie weit kommt Deutschland?
Michael Schulz: „Ich wünsche mir auf jeden Fall den Titel für Deutschland. Realistisch würde ich jetzt sagen, dass es Platz 5-7 wird. Aber ich lehne mich jetzt Mal weit aus dem Fenster und sage, dass wir den Titel holen. Die Mannschaft wird von der Euphoriewelle getragen werden und dann ist alles möglich. Individuell haben wir einen sehr starken und ausgeglichenen Kader, der sich im Vergleich zu anderen Nationen nicht verstecken muss. Wenn die Mannschaft ihre Leistung immer abrufen kann und das nötige Glück auf ihrer Seite, dann wird es der Titel.“

Patrick Schmidt: „Dänemark - sie bieten den schnellsten & kreativsten Handball und haben meiner Meinung nach das beste Team. Deutschland wird bis ins Halbfinale kommen, das wäre für die Mannschaft ein voller Erfolg und ein guter Fingerzeig für die EM und Olympia 2020.“

Philipp Meyer: „Ich denke Dänemark wird sich den WM-Titel erkämpfen, da Sie eine erfahrene Truppe mit vielen Stars sind, die sich schon oft auf höchstem Niveau bei internationalen Wettkämpfen präsentiert haben und außerdem wie Deutschland Veranstalter der Weltmeisterschaft sind.“

von Niklas Münch - 10.01.2019