“Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.”

Henry Ford

Dieses Zitat, das dem amerikanischen Autopionier Henry Ford zugeschrieben wird, reflektiert perfekt eines der wichtigsten Prinzipien der Trainingslehre: Das Prinzip der progressiven Belastungssteigerung. Einfach gesagt: Wer immer mit dem gleichen Gewicht arbeitet wird nicht besser.

Das bedeutet für unsere Spieler: Training ist immer anstrengend. Adaptiert der Körper sich an die erhöhte Belastung, folgt die Steigerung der Belastung. Nur so wird man besser.

Für uns Trainer bedeutet das: Wir brauchen die Progression in unserer Trainerqualifikation und unseren sportlichen und organisatorischen Strukturen. Anders ist es nicht möglich mit der aktuellen Entwicklung im Nachwuchsbereich in Deutschland mitzuhalten.

Während im Breitensport bundesweit nicht nur im weiblichen, sondern auch im männlichen Jugendbereich der Nachwuchs rückläufig ist, richten sich die Vereine, die Handball auf Leistungsniveau anbieten, immer professioneller aus. Ein Trend, der vielleicht mittelfristig eine ausgezeichnete Ausbildung unserer Nachwuchsspieler sicherstellt. Langfristig wird sich eine hohe Qualität im deutschen Handballnachwuchs nur erhalten lassen, wenn sich wieder mehr Kinder für den Handballsport begeistern lassen. Andernfalls wird am Ende nur eine elitäre Spitze übrigbleiben. Das ist sicher nicht der Handballsport, den wir lieben.

Wo sehen wir unsere Aufgabe in diesem multilateralen Geflecht aus unterschiedlichen Ansätzen, Zielen und Philosophien? Auch wir können uns den aktuellen Trends nicht entziehen. Unser weiblicher Jugendbereich weißt trotz großer Mühen immer wieder größere Lücken. Im erfolgsverwöhnten männlichen Jugendbereich haben wir zwar stabile Spielerzahlen, aber nur stark großer Bemühungen und der Akquise zahlreicher Spieler aus ganz Bayern. Die Zeiten, in denen wir mit Talenten aus Rimpar und der näheren Umgebung in der höchsten bayerischen Spielklasse spielen könnten, sind passe; die Zeiten in denen man sich in Rimpar mit nur einer Bayernligamannschaft im Jugendbereich begnügt aber auch.

Die Progression in der Vereinsarbeit der DJK Rimpar und der Rimparer Wölfe ist spürbar. Die sportliche Leistungskurve der Rimparerhandballer zeigte die letzten Jahre tendenziell immer nach oben. Dieser Erfolg ist kein Selbstläufer und das Ergebnis jahrelanger Arbeit. In der Nachwuchsförderung tragen die strukturellen Optimierungen der letzten Jahre ihre Früchte. Wir haben unsere Jugendarbeit nicht umgekrempelt und auf den Kopf gestellt, sondern schrittweise Vorhandenes optimiert und verbessert. Am Ende ist nicht mehr allzu viel so wie vor vier Jahren. Zwar sind Mentalität und Philosophie gleich geblieben, die Infrastruktur und Human Ressources mit denen wir diese gleichen Ziele verfolgen, sind jedoch um ein Vielfaches komplexer.

Professionelles Athletiktraining, ein zuverlässiges Netzwerk aus Physiotherapeuten und Ärzten, Individualisierung der Trainingseinheiten, Vergrößerung des Trainerstabs, Optimierung des Makrozyklus und Karriereplanung unserer Talente. Es hat sich viel getan in den letzten Jahren – und es hat sich viel getan seit dem Artikel im letztjährigen Saisonmagazin:

1. Seit Anfang der Saison 2018/19 kümmert sich Benjamin Scheer als Physiotherapeut um unsere Spieler. Seine Sprechstunde im Dienstagstraining wird gut angenommen und hilft uns Spieler frühzeitig aus dem Training zu nehmen und den Return-to-Play Prozess nach der Verletzung zu verbessern
2. Die Aufteilung und Neustrukturierung der Individualförderung in fünf Förderstufen von der D-Jugend bis zur A-Jugend über- und außerhalb des Mannschaftsgefüge.
3. Implementierung akribischer Videoanalyse zur Fehleranalyse nach Wettkämpfen.
4. Erstmals ist es uns gelungen, dass nicht nur Spieler aus dem Deutschhaus Gymnasium am Vormittagstraining teilnehmen, sondern auch Spieler der Wolffskeel Realschule und aus dem Gymnasium Veitshöchheim.
5. Unsere Partnerschule, die Wolffskeel-Realschule, qualifizierte sich für die Teilnahme an der Abschlussveranstaltung von Jugend-trainiert-für-Olympia in Berlin.
6. Mit Tobias Thumm hat unser erster Internatsschüler erfolgreich sein Abitur abgeschlossen und sein FSJ bei uns im Verein gemacht.
7. Unsere beiden ersten öffentlichen Sichtungen weckten Interesse bei 25 begeisterten Handballern.
8. Erstmalig haben wir ab diesem Schuljahr gleich vier Internatsschüler im Internat des Matthias-Grünewald-Gymnasiums.
9. Auf Grund des Interesses vieler Realschüler starteten wir die Kooperation mit dem Julianum Internat, das Schüler aller Schularten aufnimmt.
10. Erstmalig landete unsere B-Jugend auf dem dritten Platz der Bayernliga (beste Platzierung der Vereinsgeschichte).
11. Implementierung einer Fördertrainingseinheit unter der Regie von Sebastian Kraus, Patrick Schmidt und Stefan Schmitt.

Wir finden, wir haben ganz schön viel erreicht dieses Jahr – Sie nicht?

Als wir im Herbst 2015 mit Jan Redmann zusammensaßen, war ich sicher einer der skeptischsten Menschen am Tisch. Das liegt sicher auch an meinem Naturell. Gezweifelt, dass es die richtige Entscheidung war Jan für unser Projekt zu engagieren, hatte ich später nie mehr. Wie schwer es aber ist in einem Verein Denkweisen und vermeidlich schon immer erfolgsversprechende Methoden zu verändern, haben wir in den letzten Jahren erst gelernt. Veränderungen treffen hierbei zuerst oft auf Ablehnung. Im Zuge von Veränderungen muss ja durchaus nicht alles umgekrempelt werden, sich aus eingefahrenen Denkweisen und Strukturen zu lösen ist jedoch unabdingbar. Ohne Evolution sterben wir aus wie die Dinosaurier, oder anders gesagt: Wenn alles immer so bleibt, wie es immer gut funktioniert hat, werden wir in Handballdeutschland in Zukunft untergehen. Das schlägt die Brücke zu Henry Fords Zitat in der Überschrift. Wer immer nur althergebrachte Wege geht, wird nie neue Ziele erreichen, Ziele die vielleicht höhergesteckt sind als die der Vergangenheit.

Das bringt uns zu einer anderen Challenge, der wir als Trainerteam gegenübertreten müssen: Neue Strukturen wecken höhere Ansprüche. Erfüllte Ansprüche setzen die Benchmark für das nächste Ziel höher. Kurzum, wir sind zum Erfolg verdammt. Erfolg definiere ich jetzt im Sinne einer erfolgreichen Qualifikation für MINDESTENS dreimal Bayernliga. Ja, ich habe bewusst mindestens geschrieben. Das ehemals als Optimum definierte Ziel ist zum Standard geworden und die selbst auferlegte Progression gebietet, dass wir in der folgenden Saison wieder mindestens denselben Standard aufweisen. Sollte doch auch „easy going“ sein bei den vielen Toptalenten in unseren Reihen. Ja und Nein. In jedem Fall sind unsere Qualifikationen für die Bayernliga in den letzten Jahren weniger knapp verlaufen. Rückwirkend war für alle drei Mannschaften die Qualifikation sehr souverän gelaufen. Wer den Bericht zur mB-Jugend und den Verletzungsdramen lesen wird, weiß aber auch, dass wir in manchen Phasen der Vorbereitung personell mit dem Rücken zur Wand standen. Als „selbstverständlich“ möchte ich die Leistung unserer drei Mannschaften deswegen in keinem Fall bezeichnen. Es war eine Topleistung aller drei Teams, die sich in der Qualifikation sehr sehr teuer verkauft haben.

Was erwartet Sie als Zuschauer, Elternteil und Fan in dieser Saison? Wir sind überzeugt, dass wir wieder guten Jugendhandball in den höchsten Bayerischen Spielklassen bieten werden. Wird es für Titel reichen? Wissen wir natürlich nicht. Dürfen wir davon träumen? Immer. Wir müssen lernen größer zu denken und zu träumen als wir aktuell sind. Im Sinne der Progression neue Wege einschlagen, um uns weiter zu entwickeln. Wir sind nicht mehr der Verein, der wir vor zehn Jahren noch waren. Sicherlich, die Idee und Philosophie folgt der gleichen Idee, der Unterschied ist jedoch, dass wir diese Idee und Philosophie jetzt mit einer deutlich höheren Professionalität verfolgen und damit auch Erfolge verzeichnen können. Ich hoffe das konnte ich Ihnen auf den letzten drei Seiten Nahe legen.

Möglich wäre das alles nicht ohne mein großartiges Trainerteam, dass von der D-Jugend bis zur A-Jugend eine Toparbeit abliefert. Ich möchte an dieser Stelle keinen unserer anderen Trainer im Verein für die geleistete Arbeit ausklammern und trotzdem möchte ich hervorheben, dass ein inzwischen gar nicht mehr so kleines Team an gutqualifizierten Trainern unseren Nachwuchs in einem strukturierten Konzept ausbildet. Vielen Dank an Martin Frank, Sonja Henning, Harun Tucovic, Tobias Thumm, Christoph Kolenda, Lorenz Hofmann, Felix Heinrich, Nick Meuser, Mirko Münch, Philipp Reiß, Benjamin Scheer, Sebastian Kraus, Stefan Schmitt, Patrick Schmitt, Benjamin Herth und Andreas Thomas! Ein herzlicher Dank auch an Jan Redmann, der uns noch immer mit Rat zur Seite steht.

Herzlicher Dank auch an unsere Sponsoren und Gönner, die explizit den Jugendleistungssport in Rimpar unterstützen: Rikuma, Büroforum, Schallenkammer, Haustechnik Zürrlein und die AIT. Ohne Ihr finanzielles Engagement wäre unsere Nachwuchsarbeit nicht möglich.

Bastian Krenz