männliche B-Jugend

B1: "Hier gibt es kein Talent,...

…dies ist harte Arbeit. Dies ist Besessenheit. Talent als solches gibt es nicht, als Menschen sind wir alle gleich. Jeder könnte das, wenn er die Zeit investieren würde. Dann wirst du die Spitze erreichen, so einfach ist das. Ich bin nicht talentiert, ich bin besessen.” 1)

Dieses Zitat des irischen Boxers und Martial-Arts-Kämpfers Conor McGregor soll an dieser Stelle nicht das vorhandene Talent in unserer männlichen B-Jugend schmälern, um die es in diesem Bericht geht. Vielmehr ergänzt es den Zustand „Talentiert“ um den Prozess der „Arbeit“. Talent ist Spielern geschenkt, es ist „nur“ ein Angebot.

Einige nehmen dieses Angebot an. Es sind die Sportler, die uns am Wochenende in den Sporthallen, auf den Fußballplätzen und den Schwimmbädern begeistern. Es ist die Spitze, das Kondensat aus Talent, Ehrgeiz, Besessenheit, Glück und Durchhaltevermögen. Große Sportler begeistern uns oft kurzfristig mit ihrer sportlichen Leistung. Legenden dagegen schreiben Geschichte. Die Geschichte eines harten Weges an die Spitze, oft die Geschichte von Rückschlägen. Hinfallen. Aufstehen. Hinfallen. Aufstehen. Wer einmal mehr aufsteht als er fällt, wird sein Ziel am Ende erreichen.

Was hat das mit unserer B-Jugend zu tun? Sind die Gedanken nicht etwas zu groß? Ich denke nicht. Träume können und dürfen nicht groß genug sein. Ohne Vision kann man keine Mission für die nächste Etappe zusammenstellen. Doch wir fangen am Anfang an. Einige der Spieler aus unserer B-Jugend trainiere ich seit der D-Jugend. Fünf Jahre, in denen ich mit ihnen mehr Zeit verbracht habe als mit vielem anderen und in denen ich mehr in die Mannschaft und Spieler investiert habe als in alle anderen Projekte und Baustellen in diesem Verein zusammen.

Vor fünf Jahren haben wir vielleicht davon geträumt, in vier Jahren gemeinsam zweimal in Folge Dritter in der Bayernliga der C-Jugend zu werden und uns im nächsten Jahr für die B-Jugend-Bayernliga zu qualifizieren. Wirklich erwartet hat das keiner. Sicherlich hat die Professionalisierung und Intensivierung der Jugendarbeit und die damit verbundene Akquise weiterer Talente aus der Region einen großen Beitrag zur Qualität der Mannschaft geliefert. Doch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Es geht um den langen Weg, den jeder einzelne Spieler bis zu diesem Punkt gehen musste.

Vor vier Jahren bekamen die Jungs von mir eine Karte mit einem Eisberg – vermutlich haben sie das schon längst vergessen und den Zettel verloren. „Die Eisberg-Illusion“ stand darauf. Zu sehen war ein Eisberg. Die Spitze des Eisberges war mit einem kleinen Fähnchen besetzt, auf dem „Success“ stand. Unter der Wasseroberfläche – unsichtbar für den Außenstehenden – war all das geschrieben, was dazu führt, dass der Eisberg schwimmt und das „Erfolgsfähnchen“ hochgehalten werden kann: Persistence, Failure, Sacrifice, Dissappointment, Hard Work, Discipline, Dedication.

Viele „meiner“ Jungs haben sich diese Charaktereigenschaften zu eigen gemacht. Sie sind den schweren Weg von der BOL der D-Jugend in die Bayernliga der B-Jugend gegangen. Vor dieser Leistung, der Ausdauer und der Persistenz kann ich nur den Hut ziehen. Chapeau!

Zurück zum Tagesgeschäft. Erneut hat sich unsere B-Jugend für die Bayernliga qualifiziert – der höchsten Jugendliga in dieser Altersklasse. Dies scheint in unserem Verein inzwischen leider schon allzu oft zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein. Noch vor fünf Jahren bedeutete nur eine Jugendmannschaft in der höchsten Bayerischen Spielklasse die Welt für unseren Verein. Mit der Intensivierung unserer Jugendarbeit wurde aus dem SOLL/KANN ein MUSS. Der Druck, der dabei dann auf Spielern wie Verantwortlichen lastet, ist nicht unerheblich. Der Weg in ebenjene Bayernliga ist durch die zunehmende Professionalisierung in der Spitze der Bayerischen Vereine (Coburg, Erlangen, TVG Junioren, Allach) noch schwerer geworden. Die Leistung der Spieler, die Qualitätssteigerung der letzten beiden Jahre zu bestätigen, kann also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Mit Erlangen, Coburg, TVG Junioren, Rothenburg und Lauf erwarten uns gleich fünf spannende Derbys in dieser Saison. Für diese Spiele haben unsere Sportler in der Vorbereitung viel geschwitzt. Der berühmte amerikanische Grafikdesigner Milton Glaser (unter anderem verantwortlich für das weltberühmte I Heart New York Logo) brachte es auf den Punkt: „Worum es wirklich geht, ist nicht Talent als ein unabhängiges Element, sondern Talent in Verbindung mit Wille, Antrieb und Ausdauer. Talent ohne diese Bezüge löst sich auf in Nichts, aber jedes noch so kleine Talent wird durch diese Charakteristika größer.” 2)

Bastian Krenz

1) “There is no talent here, this is hard work. This is an obsession. Talent does not exist, we are all equal as human beings. You could be anyone if you put in the time. You will reach the top, and that is that. I am not talented, I am obsessed.” (Übersetzung im Text: E. Kraus)

2) “The real issue is not talent as an independent element, but talent in relationship to will, desire, and persistence. Talent without these things vanishes and even modest talent with those characteristics grows.“ (Übersetzung im Text: E. Kraus)



B2: Spagat zwischen Leistungs- und Breitensport

Noch vor circa fünf Jahren spielte unsere männliche B1-Jugend in der bezirksübergreifenden Bezirksoberliga. Heute spielt unsere männliche B2-Jugend in der bezirksübergreifenden Bezirksoberliga und ist darüber beinahe enttäuscht.

In einer starken Gruppe mussten sich die Rimparer bereits in der ersten Runde der Qualiturniere geschlagen geben und machten die Qualifikation für die Bezirksoberliga nur zwei Wochen später sehr deutlich klar. Nach einer schwachen Leistung in der ersten Turnierrunde saß die Enttäuschung über die verpasste Qualifikation tief.

Auch viele Spieler in unserer mB2-Jugend investieren viel in ihr Hobby: Die Eltern Fahrtzeit, die Spieler Trainingseinheiten und Engagement. Eine klare Linie Breitensport vs. Leistungssport lässt sich zwischen der B1- und der B2-Jugend nicht ziehen. Zum einen bietet der Kader der B2-Jugend einen Fundus an Spielern, die im jüngeren Jahrgang der B-Jugend noch etwas „reifen“ müssen, um möglicherweise im kommenden Jahr im Kader der B1-Jugend anzugreifen. Zum anderen wird die B2-Jugend wie schon in der vergangenen Saison eine Plattform für die Spieler der C-Jugend sein, die sich auch mit der Körperlichkeit im höheren Jahrgang auseinandersetzen sollen.

Diesem Spagat gerecht zu werden – im Training, in der Trainingseinteilung und Gestaltung – ist nicht immer einfach. Während der eine Spieler bis zu sechs Einheiten in der Woche bestreitet, sind es für den „Hobbyhandballer“ nur zwei Einheiten. Athletik, Technikschulung und die spielerische Entwicklung soll jedoch für alle Spieler vorangehen.

Aus diesem Grund gibt es im Training keine eindeutige Trennung zwischen der männlichen B1-Jugend und der B2-Jugend. Die Option, durch Leistung und Trainingsengagement Spielzeit in der Bayernliga zu ergattern, ist so in jedem Fall gegeben. Mit der vernünftigen Spielplattform in der Übergreifenden Bezirksoberliga ist der Mannschaft eine gute Wettkampfplattform gegeben – auch um sich weiterzuentwickeln und sich gegebenenfalls für die mB1 in der kommenden Saison zu empfehlen.

Bei all dem Fokus auf den Leistungssport und der Entwicklung von Talenten in unserem Verein sollte man die Spieler nicht vergessen, die Handball „nur“ als Hobby betreiben. Ihnen wollen wir mit den zweiten Mannschaften gerecht werden. Spaß an diesem Sport sollten jedoch alle unsere Spieler haben. Er ist Kernelement und wichtigste Motivationsgrundlage für die Entwicklung. Handball ist für alle in diesem Verein ein Hobby. Keiner hier ist Vollzeit angestellt oder verdient sein Geld mit dem Handball. Wir alle gehen einer „Nebenbeschäftigung“ nach. Ob das Arbeiten, Studieren oder im Falle unserer Spieler noch oft die Schule ist – Handball soll und muss die Kirsche auf der Sahne sein. Ein Hobby, dem unsere Jugendlichen gerne nachgehen, egal ob bei einem Minispielfest, der ÜBOL oder der Bayernliga.

Bastian Krenz



Co-Trainer B1/B2: Yannic Frenzel