Herren 3

Das verflixte zweite Jahr?

„Erwartung übertroffen“ beschreibt die erste Saison unserer dritten Mannschaft in der Bezirksoberliga wohl am besten. In unserem von Superlativen und überraschenden Erfolgen geprägten Verein ist die Platzierung unserer dritten Mannschaft in der Bezirksoberliga sicherlich nicht das Thema des Abends, keine Geschichte, die später gerne erzählt werden will, keine Legende und kein abendfüllendes Märchen mit Pathos und Schmalz. Es ist einfach die Geschichte einiger Kumpels, die sich mal seltener zum Handballtraining (Kicken) in der Halle getroffen haben, recht regelmäßig zum Spiel erschienen sind und dabei gerade so noch am Aufstieg in die Landesliga vorbeigeschrammt sind. Hmm, irgendwie sind hier doch ein paar Parallelen zu erkennen. Ein paar (Sandkasten?)-Kumpels aus dem eigenen Verein treffen sich zum Sport am Wochenende (Handball wird hier ja auch neben dem Job betrieben) und sind dann auch noch erfolgreicher als man ihnen zugetraut hätte? Ein Schelm, wer es wagt, die Geschichte mit dem pathetischen Märchen zu vergleichen, ja der Legende der Wölfe mit eben jener der Feierabendfußballer, die auch in der A-Klasse hätten antreten können. (An dieser Stelle kam ich nicht drum herum, meine eigenen Sätze, Auszüge und Formulierungen über die Wölfe aus der vergangenen Saison auf die Schippe zu nehmen).

Nun, als Aufsteiger sind wir eher so mit der Befürchtung angetreten, 15:33 Punkte zu erzielen. Das hätte in der Abschlusstabelle den sofortigen Wiederabstieg in die Bezirksliga bedeutet. Wider Erwarten starteten die Rimparer gegen die ambitionierten Schweinfurter nach einem fast Zehntorerückstand mit einem euphorisierenden Sieg in die Saison (euphorisiert waren an dieser Stelle wohl nur wir). Kein Facebook-Post mit 500 Likes, keine Schlagzeile in der Main-Post und kein Schulterklopfen. Ziemlich viel Spaß hatten wir dennoch. Und so setzte sich entgegen allen Erwartungen unser Erfolg(smärchen) fort, und wir bissen uns in bester Wölfemanier an der Spitze der Charts fest. Bis zum sich immer weiter zuspitzenden Saisonendspurt mit den Spielen gegen Lohr, Marktsteft und Rödelsee war die Bundesligareservereserve nicht mehr wegzudenken von den Spitzenplätzen der Liga. Im Showdown gegen den ewigen Rivalen TSV Lohr verletzten sich in einer packenden, rasanten und die Zuschauer begeisternden Partie gleich drei Leistungsträger und wir mussten uns am Ende trotz guter kämpferischer Leistung geschlagen geben – und uns damit auch von den eigentlich irrsinnigen Aufstiegsträumen verabschieden. In den kommenden Spitzenspielen gegen Rödelsee und Marktsteft verspielten wir auch rechnerisch die Chance auf die Landesliga. Unterm Strich war es jedoch mit weitem Abstand die beste Saison der Vereinsgeschichte unserer dritten Mannschaft. Wir wären fast dorthin aufgestiegen, wo Schmitt, Kraus und Sauer vor zehn Jahren ihre Reise begonnen haben (Achtung Phrase!). Nun genug des Zynismus und Sarkasmus – wir hatten einen riesen Spaß mit einer geilen Truppe in der Bezirksoberliga. Wir haben oft einen durchaus attraktiven Handball geboten und manchmal haben sich sogar Zuschauer zu unseren Spielen verirrt. Für einen Fanbus zum Spiel gegen die TGW in Lengfeld hat es dann leider doch nicht gereicht.

#Warum nun die Überschrift „Das verflixte zweite Jahr?“. Die Vorbereitungen auf die Saison 2017/18 laufen bei allen Teams auf Hochtouren. Bei allen? Nein. Ein unbeugsamer Haufen unkultivierter Wilder weigert sich beharrlich, Profi-Sport in diesem erfolgsverwöhnten Verein zu betreiben. Tatsächlich wirkt die Situation vor dem zweiten Jahr in der höchsten Unterfränkischen Spielklasse bedenklich. Zu einigen Abgängen kommen noch Dauerverletzte, Masterarbeiten, Prüfungsstress und Beruf hinzu. Der im Vorjahr beinahe überbreite Kader ist auf ein Minimum geschrumpft und macht aus dem Saisonziel Klassenerhalt ein ambitioniertes Unterfangen. Wir wollen also nach dieser „Übersaison“ die Erwartung etwas herunterschrauben (Parallele?). Nichtsdestotrotz werden wir unser Bestes geben, die konzeptionelle Grundlage, die dem Verein durch den Aufstieg in die BOL gegeben ist, nicht in der kommenden Saison zu verschwenden. Perspektivisch sollen deshalb in dieser Saison Spieler aus der A-Jugend eingebunden werden, um einen möglichst guten Übergang in den aktiven Bereich zu gewähren. Das soll und wird in der kommenden Saison die Aufgabe unserer Herren 3 sein – Entwicklungsplattform für unseren Nachwuchs und zugleich ambitioniere Spielplattform für alle, die sich gerne mit unseren unterfränkischen Nachbarn messen.

Wir freuen uns auf die kommende Saison – und natürlich auch das eine oder andere Interesse an unseren Heimspielen. Im letzten Jahr hat es (bis auf wenige Ausnahmen) keiner bereut, unsere Spiele besucht zu haben. Auch ohne Harz können wir ganz ordentlich Handball spielen – und haben dabei sogar ziemlich viel Spaß!

Bastian Krenz